Winterbergsteigen auf Sommerroute -
Unnütz am Achensee

Abb. Blick auf den winterlichen Achensee

Januar . 2021

Ich bin im Winter auf der Sommerroute auf den Unnütz gegangen. Unbeschreibliche Erlebnisse. Und was es zu beachten gilt. 

Ich liebe es, im Winter auf Berge zu steigen und zwar auf Wegen, die ich eigentlich nur als Sommerroute kenne. Weshalb ich das mache? Nun, das hat mehrere Gründe. Zunächst einmal, weil es mich reizt, herauszufinden ob es möglich ist. Häufig ist es das übrigens, aber nicht immer. Und weil bei diesen Abenteuern in der Regel Einsamkeit fast schon garantiert ist. Zumindest begegnen mir auf meinen Touren, die meist weit ab von den klassischen Skitourenrouten sind, nur selten Menschen und praktisch niemals größere Menschenansammlungen. Ist das vielleicht ein Lösungsansatz für das immerwährende Problem der Konfrontation zwischen Schneeschuhgehern und Skitourengehern?

Lösungsansatz für die Konfrontation zwischen Skitourengehern und Schneeschuhgehern?

Ich muss dazu sagen: Ich mache beides gerne. Und auch ich ärgere mich bisweilen darüber, wenn eine tolle Skispur, mühsam durch den frischen Schnee gelegt und von den Skitourengehern gehegt und gepflegt, von Schneeschuhgängern „zerstört“ und „zertrampelt“ wird oder vielleicht sogar Wanderer ohne Schneeschuhe dicke und tiefe Löcher in die Spur treten. Sehr ärgerlich. Macht es also vielleicht sogar Sinn, dass mein Hobby Schule macht und die mit den kurzen, breiten Geräten an den Füßen andere Aufstiegsrouten suchen sollten, als die mit den langen schmalen Geräten?

Wie immer hat die Medaille zwei Seiten. Es hat schon seinen Grund, weshalb z. B. gerade am Unnütz Skitourengeher eben meist nicht auf der westseitigen Aufstiegsroute aufsteigen, sondern die im Sommer nur recht wenig begangene Nordostroute nehmen. „Wir“ Skitourengeher suchen selbstverständlich für den Aufstieg meist eine Route, die ungefähr der Abfahrtsroute entspricht. Allein schon, weil Ausgangspunkt und Endpunkt nicht zu weit voneinander entfernt sein sollten. Denn wenn das Auto wie hier im Beispiel in Achenkirch steht und ich nach der herrlichen Abfahrt in Steinberg rauskomme und dann überlegen muss, wie ich die Kilometer zurück zum Auto komme – das macht nun wirklich keinen Spaß.

Und der westseitige Aufstieg auf den Unnütz ist in der Abfahrt eher ungeeignet bis einfach komplett unattraktiv. Nur ein schöner Abfahrtshang direkt unter dem Gipfel. Viel enge Passagen, viel Wald, ein langer Forstweg. Kaum Möglichkeiten, die Ski laufen zu lassen. Ebenso unangenehm gestaltet sich dieser Weg denn auch im Aufstieg. Mit Schneeschuhen sieht das schon ganz anders aus. „Wir“ Schneeschuhgänger suchen genau das. Schöne verschneite Wälder. Tolle Almen, an denen wir vorbeikommen. Einsamkeit. Gerne eben auch ein Forstweg. Da spielt der freie Hang für die Abfahrt – oder eben den Abstieg - praktisch keine Rolle.

Abb. Durch den tief verschneiten Wald auf dem Forstweg

Winterbergsteigen auf Sommerrouten – Erfahrung und Umsicht

Aber um im Winter mit den Schneeschuhen auf einsamen Wegen unterwegs zu sein – da werden mir die Pros unter Euch sicher zustimmen – bedarf es schon einiger Voraussetzungen. Einsamkeit bedeutet auch, dass im Falle einer Notsituation eben niemand in der Nähe ist, der helfen kann. Man muss also schon wissen, was man da macht. Einsamkeit bedeutet auch, dass es meist keine ausgetretene Spur gibt. Gerade bei Neuschnee kann eine solche Tour also richtig anstrengend werden und erfordert einiges an Kondition. Einsamkeit bedeutet, dass man die Situation selbst einschätzen muss. Auf dem Sommerweg auf den Unnütz gibt es einige Stellen, die durchaus für einen Lawinenabgang gut sind. Daher Augen auf. Man sollte wissen, wie man die Hangneigung bestimmt (siehe hierzu unser Blog „Hangneigung – Grad oder Prozent und wie man es auf Tour richtig misst“ https://www.2chance-outdoor.de/blogs/2chance-outdoor-blog/hangneigung)

Dafür wird man aber mit Abenteuern belohnt. Mit grandiosen Erlebnissen, unvergesslichen Ausblicken, unverspurtem Schnee, glitzernden Kristallen auf jungfräulicher Oberfläche, verhangenen Bäumen deren Äste unter der Last ächzen und man kann sich ein bisschen fühlen wie ein Trapper in einem Buch von Jack London. Naja, also Gold habe ich auf dem Weg noch keines gefunden, aber der Rest kam meist schon nah an die Roman-tik heran.

Abbildung 1

Abb. Spuren auf dem Forstweg

Abbildung 2

Abb. Kurz hinter der Köglalm

Abb. Dichter Nebel umgibt mich

Abb. Es hat aufgeklart

Auf den Unnütz über die Westroute

Los ging es in Achenkirch. Zunächst geht man ganz gemütlich durch frischen Neuschnee auf einem Forstweg. Da es einfach sehr viel angenehmer mit Schneeschuhen ist, gehe ich den Forstweg bis zur Köglalm, anstatt den Steig zu nehmen der nach ca. 15 Minuten rechts abzweigt. Allein der Aufstieg bis zur Köglalm hat sich schon gelohnt. Es war zwar wolkenverhangen, aber der Winterwald war schön wie in einem Märchen. Die im positiven Sinne monotone Bewegung des Aufstiegs, das leise Knirschen des Schnees unter den Schneeschuhen, die Stille für Augen und Ohren und die optisch komplett reduzierte Umgebung, die sich auf die Farben Weiß, Dunkelgrün bis Dunkelbraun und Schwarz beschränkt, haben schon fast etwas Meditatives. So geht es dahin, bis sich auf ca. 1.400 Metern der Wald öffnet, Almwiesen und die Almgebäude erscheinen und der erste Blick auf den See und die umgebenden majestätischen Gipfel der Seekarspitze, Seebergspitze erhascht werden können.

Kurz nach der Alm zweigt der Weg dann an einem Weidezaun links deutlich steiler werdend Richtung Wald ab. Im Sommer ist hier die Orientierung wirklich einfach. Im Winter aber muss man schon genau hinsehen. Es geht Richtung Norden aufwärts. Mich erwischte hier recht dichter Nebel. Und wie immer im Nebel wird die Natur noch stiller, noch reduzierter als sonst. Sehr außergewöhnlich ist das diffuse Licht. Die Stimmung hat gleichzeitig etwas Beruhigendes, aber auch etwas Bedrohliches. Die Sicht wurde teilweise so eingeschränkt, dass ich wirklich Mühe hatte, den richtigen Weg nicht zu verlassen. Kurz bevor ich aufgeben und den Rückweg antreten wollte, kam die Erlösung. Es klarte auf. Das Schauspiel, dass sich mir bot, ist kaum in Worte zu fassen.

Abb. Tiefer Schnee

Abb. Einsinken teils bis zur Hüfte

Abb. Erster Blick ins Rofan

Abb. Fantastisch: Klobenhoch

Abb. Blick Richtung Seekarspitze und Christlum

Abb. Erster Blick ins Rofan

Abb. Blick nach Süden

Abb. Blick nach Süden

Ich hatte praktisch freien Blick auf eine Winterlandschaft, wie sie selbst Kaspar David Friedrich nicht hätte schöner auf Bilder hätte bannen können. Südlich das Rofan mit seinen Gipfeln, den beeindruckenden Wänden des Klobenjochs und der Rofanspitze. Süd-Westlich ein unbeschreiblicher Blick auf die Gipfel des Karwendel. Unter mir der in eisigem Dunkelblau schimmernde Achensee und westlich die abweisenden, vereisten und steilen Ostwände von Seeberg- und Seekarspitze.


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Abb. Blick auf den Achensee

Abb. Ostwände von Seeberg- und Seekarspitze

Abb. Abendstimmung

Es war zu spät

Natürlich war es mein Ziel gewesen, zum Gipfel aufzusteigen. Aber es war bereits zu spät. Ich musste der Einsamkeit Tribut zollen. Denn zwar war der Aufstieg auf dem Forstweg noch recht unproblematisch, ab der Köglalm aber wurde der Schnee teils so tief dass ich trotz Schneeschuhen immer wieder bis zur Hüfte einsank. Das kostete neben Kraft auch jede Menge Zeit. Und ein paar Nerven. Aber das war es wert. Außerdem stand die Gipfelerreichung auch nicht so sehr im Vordergrund, wie dies im Sommer der Fall ist. Zumindest bei mir. Winteraufstiege entschleunigen. Ich machte also auf ca. 1.800 Metern eine schöne Jause, genoss den Ausblick und begab mich auf den Rückweg. In der letzten Abendsonne erreichte ich wieder die Köglalm, die jetzt in ein völlig anderes, aber nicht minder schönes Licht getüncht war wie noch am Morgen. Der Rest des Weges, den ich dann schon mit Stirnlampe absolvierte, war problemlos. Immerhin hatte hier ja schon jemand gespurt 😉

Abb. Abendstimmung oberhalb der Köglalm

Abb. An der Köglalm

Abb. Blick nach Westen

Bilder: Lars Kroehn
Infos:
https://www.bergtour-online.de/bergtouren/bergwanderungen/mittel/wanderung-unnutz-am-achensee/
https://www.hoehenrausch.de/berge/unnuetz/
https://www.tourentipp.com/de/touren/Vorderunnuetz-Bergtour-Achensee_429.html
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