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Hangneigung - Grad und Prozent.
Richtig messen auf Tour!

31. Dezember . 2020

Ab 30 Grad Neigung beginnt die Lawinengefahr. Oder waren es Prozent? Und die steilste Piste Österreichs. Waren das nun 100 Grad oder 100 Prozent? Wichtige Unterschiede und wie man auf Tour richtig misst.

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Tourengeher und ambitionierte Schneeschuhgeher kennen die goldene Regel. Ab ca. 30 Grad Hangneigung wird`s gefährlich, es beginnt die akute Lawinengefahr. Tatsächlich passieren 97% aller Lawinenunfälle in Hängen, die steiler als 30 Grad sind. Lediglich 3% der Lawinenunfälle ereignen sich in flacherem Terrain. In diesen Fällen geht den Unfällen meist eine sehr hohe Lawinenwarnstufe voraus.

Viele Wintersportler kennen aber den Unterschied zwischen Grad und Prozent bei der Angabe der Hangneigung nicht. Nun - erklären wir es.

Wenn es darum geht, die Steilheit eines Hanges in Verbindung mit der Lawinengefahr darzustellen, wird in der Regel von Grad gesprochen. Die Steilheit von Pisten hingegen wird in der Regel mit Prozent angegeben. Die berühmte Mausefalle auf der Streif in Kitzbühel zum Beispiel weist ein Gefälle von 85% auf. Sehr viele Zuschauer an den Bildschirmen wundern sich, wie man eine annähernd senkrechte Piste herunterfahren - oder besser fallen - kann. Und verwechseln dabei Grad mit Prozent. Denn die Mausefalle ist keineswegs fast senkrecht. Vielmehr beträgt die Hangneigung "lediglich" 40,4 Grad. Immernoch sausteil, keine Frage. Aber eben nicht mal annähernd senkrecht. Neigungsangaben auf Straßenschildern werden übrigens ebenfalls in % angegeben.

Wie verhält es sich denn nun mit Grad und Prozent. Dazu ein kleines Schaubild. Sieht erstmal kompliziert aus, ist es aber gar nicht.

Zur Erklärung:
Die Prozentangabe beschreibt das Verhältnis zwischen horizontaler und vertikaler Wegstrecke. Wenn Mathe noch nie dein Ding war, hier nochmal in einfachen Worten. Wenn du 100 Meter Weg (horizontal, also praktisch in der Ebene) zurücklegst und dabei 100 Höhenmeter aufgestiegen bist, hast du 100% Steigung. Also das Verhältnis 1:1 (mal 100). Legst Du wie in unserem Beispiel auf 100 Meter Weg (horizontal) 57,74 Höhenmeter zurück, hast Du eine Steigung von 57,74 Prozent. Ganz einfach also.

Grad hingegen beschreibt das Winkelmaß der Steigung. Pythagoras für Dummys: Bei 45% sind die beiden Schenkel des Dreieckes gleich lang. Du gehst in der Horizontalen genauso weit wie in der Vertikalen. Das ist übrigens der Grund, weshalb es keine Steigung > 90 Grad geben kann, sehr wohl aber eine Steigung von mehr als 100%. Im Internet gibt es jede Menge Tabellen, mit denen sich Grad in Prozent und andersherum berechnen lassen. Denn obwohl 45 Grad = 100% sind, entsprechen 22,5 Grad nicht 50% (es sind nur 41%).

Die entscheidende Frage auf Tour ist nun: Wie kann man die Hangneigung einigermaßen zuverlässig bestimmen? Skitourengeher wissen: Wenn man mit Spitzkehren anfängt, hat der Hang in etwa 30 Grad Neigung. Das ist aber eine sehr vage Methode und von Person zu Person, von Kondition und Können und von vielen anderen Faktoren abhängig. Es geht besser.

Die Skistock-Pendelmethode

Die Skistock-Pendelmethode ist eine ziemlich genaue Methode, um die Hangneigung festzustellen. Zumindest kann man recht genau herausfinden, ob der Hang steiler oder weniger steil als 30 Grad ist. und das geht so: Zuerst legst du einen Skistock hangabwärts in den Schnee (Abbildung 1). Du markierst im Schnee das Ende des Stockes am Griff. Dann stellst Du den Stock senkrecht zum Hang, die Spitze bleibt aber im Schnee und zwar genau da, wo der liegende Stock aufhört.

Jetzt nimmst Du den zweiten Stock, der gleich lang sein muss wie der erste Stock, und hältst die Enden der beiden aneinander. Den zweiten Stock haben wir hier grün dargestellt. Du "pendelst" den zweiten Stock aus, bis er senkrecht hängt und neigst dann beide Stöcke, bis die Spitze des zweiten Stockes den Hang berührt. Fertig. Wenn der zweite Stock (der grüne) exakt an der Stelle den Hang berührt, die du vorher für den ersten Stock markiert hast, ist der Hang 30 Grad steil. Berührt der zweite Stock den Hang oberhalb (hangaufwärts) der markierten Stelle sind es weniger als 30 Grad, berührt er den Hang unterhalb (hangabwärts) der Markierung sind es mehr als 30 Grad. Ungefährt 10 cm Abstand entsprechen 3 Grad.

Abbildung 1

Abbildung 1

Abbildung 2

Abbildung 2

Die "einfache" Skistockmethode

Diese Methode ist besonders einfach, aber auch nicht ganz so genau. Du steckst den ersten Skistock so in den Hang, dass er in etwa waagerecht vom Hang wegsteht (Abbildung 3). Genau hier liegt auch schon das Problem. Man kann sich dabei schnell mal vertun, was die Messung ungenau werden lässt.  Den zweiten Stock hältst du jetzt an der Ende des ersten Stockes.

Abbildung 1

Abbildung 3

Abbildung 2

Abbildung 4

Berühren sich die beiden Enden, ist der Hang 45 Grad steil. Steht der hintere Stock über (Abbildung 4) ist der Hang flacher. Ragt ein Drittel des senkrechten Stockes über, ist der Hang in etwa 35 Grad steil. Bei der Hälfte ist die Neigung in etwa 27 Grad.

Weitere (elektronische) Messmethoden

Im Gelände sollte man ohnehin immer ein Handy dabei haben. Bei "SnowSafe" gibt es eine kostenlose App, mit der man einfach und genau die Hangneigung messen kann. Einfach Skistock an den Hang anlehnen, Handy an den Stock halten und Neigung ablesen. Die App kann übrigens sogar für das Gebiet, in dem man unterwegs ist, die aktuelle Lawinenstufe anzeigen. Tolle Sache.

Es gibt auch elektronsiche Hangneigungsmesser wie das Tool von Pieps (Pieps 30GradPlus). Dieses Gerät zeigt neben der Neigung noch gleich die Schneetemperatur an. Toll, wenn man die Lawinengefahr selbst beurteilen möchte.

Wie auch immer ihr messt, bitte informiert euch vor der Tour über die aktuelle Lawinensituation. Wir wünschen euch jedenfalls viel Spass und einen guten Rutsch!

Bilder: 2Chance-Outdoor


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