Winterbergsteigen bei starkem Föhn -
Darauf solltest Du achten!

Januar . 2021

Starke Föhnwinde und Föhnsturm können gerade im Winter für Bergsteiger und Tourengeher sehr gefährlich werden. 

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Die meisten Fehler habe ich selbst schon gemacht.

Wenn man Föhn in den Bergen nicht ernst genug nimmt, ist das nicht besonders clever. Ich weiß das, weil ich aus Erfahrung schreibe. Denn die meisten der hier beschrieben Fehler habe ich selbst schon gemacht. Deshalb möchte ich hier die Gefahren durch Föhn speziell im Winter etwas genauer unter die Lupe nehmen, nützliche Tipps geben und etwas zum Verständnis beitragen. Generell gilt wie immer: Informiere Dich vor der Tour über das Wetter. Bei starkem Föhn solltest Du auf Deine Tour lieber verzichten. So weit so gut. Aber mal ehrlich. Häufig denken wir uns doch: So schlimm wird es schon nicht werden. Ist doch schön und auch noch recht warm. Und dann werden wir überrascht. Ich nehme mich da nicht aus. Also seid bitte vernünftiger als ich und vor allem beachtet die nachfolgenden Hinweise und Tips.
Auf Informationen zur Entstehung von Föhn verzichte ich an dieser Stelle. Wichtig sind die nachfolgenden Fakten.


Abb. Kotalm Hochleger am Achensee bei Föhnsturm

Abb. Unterhalb des Klobenjochs

Generelle Fakten zum Föhn

Föhnwinde kommen auf der Alpennordseite in der Regel aus Süden (Südföhn). Föhnwinde aus Norden (Nordföhn) gibt es auf der Alpennordseite sehr selten. Föhnwinde sind meist mittelstarke bis starke Winde und können sich zu echten Sturmwinden mit Orkangeschwindigkeiten entwickeln. Windgeschwindigkeiten von über 120 km/h bis zu 180 km/h sind nicht ungewöhnlich.

Es braucht einen gewissen Druckunterschied zwischen Alpennord- und Alpensüdseite, damit sich der Föhnwind bis in die Alpentäler durchschlägt. Nicht selten ist es in den Tälern recht windarm, erst ab einer gewissen Höhe wird der Föhnwind dann schlagartig deutlich stärker. Föhn geht auf der Alpennordseite (bei Südföhn) mit trockener und meist recht milder Luft einher. Die Temperaturen steigen dabei jahreszeitenabhängig recht stark an. Alle diese Fakten können für den Winterbergsteiger und Tourengeher teils erhebliche Gefahren mit sich bringen.

Verwehungen, Wechten, Treewells etc.

Der oftmals sehr starke Wind kann zu erheblichen Verwehungen führen. Die Folgen sind vielfältig.

Wechten und überwehte Grate und Kämme
Durch den starken Wind entstehen gerne große Wechten, insbesondere auf der Nordseite wenn die Grate oder Kämme in Ost-West-Richtung verlaufen. Das ist eher untypisch, da normalerweise stärkerer Wind auf der Alpennordseite aus westlichen bis nördlichen Richtungen kommt und Wechten daher eher auf der Südseite anzutreffen sind. Somit rechnet man kaum mit Verwehungen oder Wechten an diesen Stellen. Tipp: Haltet auf jeden Fall ausreichend Abstand zu Hangkanten, um nicht auf eine Wechte zu treten. Es besteht Absturzgefahr. Ich habe diesen bescheuerten Fehler vor einigen Jahren selbst schon gemacht und war ziemlich erschrocken, als mein Tourenpartner von hinten meinte: „Du stehst du einer Wechte“. Jetzt darf gerne der Shitstorm über mich reinbrechen 😉

Eingewehte Rinnen und Mulden
Rinnen und Mulden können durch die starken Winde erheblich einwehen. Es besteht die Gefahr, hineinzustürzen und sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien zu können oder aber in Senken und Mulden ein Lawine auszulösen.
Tipp: Sorgfältige Tourenplanung. Vermeidet Senken und Mulden, aber auch Bachbette.

Treewells
An Baumstämmen sammelt sich durch starke Winde und Verwehungen gerne leichter und lockerer Schnee von oftmals erheblicher Höhe. Wer da hineinfällt, kommt ohne fremde Hilfe evtl. nicht mehr heraus und droht zu ersticken oder zu erfrieren. Das ist mir selbst schon passiert – und glaubt mir, es ist kein schönes Gefühl. Ich kam damals aus dem Treewell nur mit Hilfe meines Tourenpartners wieder heraus. Diese Gefahr sollte nicht unterschätzt werden. Die gleiche Gefahr lauert übrigens auch hinter Geländeerhöhungen aller Art.
Tipp: Haltet Euch von Hindernissen wie Bäumen, Felsen etc. fern.

Lee und Luv
Lee ist die windabgewandte Seite, Luv die windzugewandte Seite. Direkt hinter einem Hindernis ist es auf der windabgewandten Seite meist recht windarm. Entfernst Du Dich aber etwas vom Hindernis, wird es sehr ungemütlich. Sogenannte Leerotoren können neben der reinen Windstärke diesen auch noch stark verwirbeln und Dich „aus den Schuhen wehen“.
Tipp: Genügend Abstand von Hindernissen halten.


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Orientierungsverlust und Erschöpfung

Im Föhnsturm ist es leicht, die Orientierung zu verlieren, obwohl der Himmel meist klar und blau ist. Grund sind Schneeverwehungen und zugewehte Spuren.

Schneeverwehungen
Die Schneeverwehungen können so stark sein, dass sie Dir komplett die Sicht nehmen. So kann das Orientieren im Gelände sehr schwer werden. Außerdem passiert es leicht, dass Du Gefahrenstellen nicht mehr erkennen kannst.
Tipp: Brille tragen. Gute Tourenplanung. Fernhalten von Graten, Kämmen und anderen Gefahrenstellen.

Zugewehte Spur
Bei starkem Föhn passiert es schnell, dass Deine Aufstiegsspur bald zugeweht ist. Du beginnst Deine Tour indem Du einem toll gespurten Weg folgst und stellst auf dem Heimweg fest, dass sie weg ist. Neben dem Orientierungsverlust birgt das eine weitere Gefahr: Die Erschöpfung. Nach einem anstrengenden Aufstieg und einer kleinen Pause möchtest Du einfach gemütlich absteigen. Aber jetzt musst Du selbst spuren. Erschöpfung führt zu Koordinationsverlust, zu Konzentrationsverlust, zu Müdigkeit etc. All das ist gefährlich, wenn Du draußen unterwegs bist. Neben den körperlichen Symptomen führt dieser Umstand dazu, dass Dein Rückweg länger dauern kann als erwartet. Im Winter sind die Tage aber kurz. Daher solltest Du auf jeden Fall eine Stirnlampe dabeihaben.
Tipp: Teile Dir Deine Kräfte gut ein. Rechne damit, dass Du auf dem Rückweg spuren muss.

Was tun bei Orientierungsverlust?
Hast Du ein GPS-Navigationsgerät dabei? Nutze die „Track-Back-Funktion“. So habe ich das auch schon gemacht. Wenn Du beim Aufstieg ordentlichen Abstand zu Gefahrenstellen gehalten hast, kannst Du praktisch „Blind“ auf der Naviroute absteigen. Die heutigen Geräte sind derart genau, dass hier keine Gefahr drohen sollte.
Wenn Du Dich in gefährlichem Terrain befindest: Wage keine Stunts. Bleibe wo Du bist. Warte bis sich die Wetterlage gebessert hat und halte Dich warm (Warme Jacke, warmes Getränk etc.). Wenn es nicht mehr geht, rufe die Bergwacht. Sollte es dunkel werden, gebe Lichtsignale und akustische Signale.
Tipp: Generell im Winter immer warme Sachen dabeihaben. Eine Stirnlampe ist in dedieser Jahreszeit, in der es früh dunkel wird, Pflicht. Eine Rettungsdecke und ein Biwaksack leisten in Notsituationen gute Dienste und sind so leicht, dass man sie eigentlich auf jede Tour mitnehmen kann. Immer aufgeladenes Handy dabeihaben!
Schaffe Dir ein „Backup“. Informiere eine Vertrauensperson über Dein Vorhaben und Deine geplante Route. Vereinbare ein Zeitfenster, innerhalb dessen Du Dich zurückmelden möchtest. Sollte dieses um Zeitraum x überschritten werden, löst diese Person die Rettungskette aus. So mache ich das immer, insbesondere wenn ich allein unterwegs bin.


Abb. Föhnsturm an einer Geländekante

Abbildung 1

Abb. Föhnsturm auf den Nachbargipfeln

Abbildung 2

Abb. Föhnwind an einer Hangkante

Abbildung 1

Abb. Föhnsturm am Gipfel

Abbildung 2

Abb. Starke Verwehungen

Abb. Es bläst stark

Gefahren im Wald

Bei Föhn musst Du im bewaldeten Bereich mit Schnee- und Windbruch rechnen. Wenn Du noch keinen Föhn im Gebirge erlebt hast, lass Dir gesagt sein: Man sollte diese Gefahr auf keinen Fall unterschätzen. Äste können Dir um die Ohren fliegen, Bäume können entwurzelt werden. Große Schneemassen fallen von den Bäumen. Eine solche Situation ist sehr gefährlich.
Tipp: Halte Dich von Bäumen fern. Wenn es möglich ist, meide Waldstücke.

Gesundheitliche Probleme

Kennst Du die sogenannte „Föhnkrankheit“? Viele Menschen reagieren körperlich recht stark auf Föhn. Wenn der Föhn also aufkommt, während Du bereits in den Bergen unterwegs bist, kann das problematisch werden. Folgende Symptome können auftreten: Herz-Kreislauf-Probleme; Kopfschmerzen; Unruhe; Nervosität; Konzentrationsschwierigkeiten


Abb. Ich im Föhnsturm

Lawinengefahr

Bei Föhn steigt in der Regel die Lawinengefahr stark an. Das hat mehrere Gründe. Schneeverfrachtungen können zu einer deutlichen Erhöhung der Lawinengefahr führen. Der zweite Faktor ist die Temperatur. Steigende Temperaturen vermindern die Festigkeit der Schneedecke und erhöhen kurzfristig die Lawinengefahr. Sie fördern aber nach einiger Zeit die günstige Verfestigung der Schneedecke, was meistens zu einer Abnahme der Lawinengefahr führt.
Tipp: Lawinenlagebericht vor der Tour anschauen.


Sichere Anzeichen für Föhn

Es gibt einen absolut sicheren Weg, wie Du Föhn vor Deiner Tour erkennen kannst: Schau in den Wetterbericht. Das solltest Du im Winter ohnehin vor jeder Tour machen. Unterwegs kannst Du Dich aber auch an einer sehr typischen Wolkenbildung orientieren, den sogenannten „Föhnlinsen“ oder „Lenticularis-Wolken“. Diese Wolkenform entsteht, wenn die Luft über den Bergen angehoben wird (Leewellen). In diesem Fall sind sie auch bei starkem Wind ortsfest, d. h. die Luft strömt durch die Wolke hindurch.

Ich wünsche Euch in jedem Fall immer ein sichere Heimkehr und viel Spaß in den Bergen.
Euer Lars

Bilder
Lars Kroehn
"Föhnlinsen" am Gipfel: Adobe Stock


Abbildung 1

Abb. "Föhnlinsen" am Gipfel

Abbildung 2

Abb. Karwendel bei Föhnsturm

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